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Freie Reaktionsenthalpie & Gleichgewichtskonstante

Wie bestimmt ΔrG° die Lage des Gleichgewichts A ⇌ B — und was passiert, wenn man es stört? Vier gekoppelte Felder verbinden Energiediagramm, Gleichgewichtskonstante, Umsatzvariable und Teilchenebene.

A ⇌ B Sek II · Kursstufe Interaktiv ca. 20 Min.
Fachliche Einführung
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Die freie Standard-Reaktionsenthalpie Δr (Höhenunterschied der reinen Stoffe A und B) gibt an, ob eine Reaktion exergonischrG° < 0) oder endergonischrG° > 0) ist. Sie allein bestimmt die Lage des Gleichgewichtszustands: Kc = e−ΔrG°/(R·T). Die freie Aktivierungsenergie ΔG bestimmt dagegen nur, wie schnell sich der Gleichgewichtszustand einstellt (Kinetik) — nicht, wo er liegt. Warum sich auch bei ΔrG° > 0 Produkt bildet, erklärt das Feld „Hintergründe zur Simulation“ unten.

Trägt man G gegen die Umsatzvariable ξ auf, liegt das Gleichgewicht im Tiefpunkt der Kurve (dG/dξ = 0). Der Reaktionsquotient Q = N(B)/N(A) beschreibt den momentanen Zustand: Q < Kc → Hinreaktion überwiegt, Q > Kc → Rückreaktion überwiegt, Q = Kc → Gleichgewicht.

So funktioniert die Simulation: Alle vier Felder sind gekoppelt. Stelle in Feld 1 ΔrG° ein — daraus berechnet Feld 2 die Konstante Kc. Störe dann in Feld 4 das Gleichgewicht mit den Stoffmengen-Reglern: Q weicht von Kc ab, der Punkt in Feld 3 verlässt den Tiefpunkt — und die Reaktion stellt das Gleichgewicht von selbst wieder her.
1
Energiediagramm
Freie Enthalpie G entlang der Reaktionskoordinate
G Reaktionskoordinate ΔGhin ΔGrück ΔrG° ÜZ (Übergangszustand) A · Edukt B · Produkt
{{ eALabel }} kJ/mol
{{ eBLabel }} kJ/mol
{{ dgaEffLabel }} kJ/mol
ΔrG° = G(B) − G(A) = {{ dgLabel }} kJ/mol ΔGrück = ΔGhin − ΔrG° = {{ dgaRueckLabel }} kJ/mol {{ dgBadgeText }}
2
Gleichgewichtskonstante Kc & Reaktionsquotient Q
Kc aus Feld 1 · Q live aus Feld 4
Aus dem Energiediagramm (Feld 1)
Kc = e−ΔrG° / (R·T) = e−({{ dgLabel }}) / 2,48 = {{ kLabel }}
Aus den Teilchenzahlen (Feld 4) · in Echtzeit
Q = N(B)N(A) = {{ dnB }}{{ dnA }} = {{ qLabel }}
{{ statusText }}
0,01 0,1 1 10 100
Kc
Q
log. Skala
T = 298 K (konstant) · R·T ≈ 2,48 kJ/mol · Q wandert von selbst auf Kc zu — das Gleichgewicht stellt sich wieder ein.
3
Umsatzvariablen-Diagramm G(ξ)
Der Punkt zeigt den Zustand des Systems aus Feld 4 · zum Auf-/Zuklappen tippen
G 0 1 Umsatzvariable ξ ξGl ΔrG°
ξ = {{ xiLabel }} ξGl = {{ xiEqLabel }} Tiefpunkt: dG/dξ = 0 → Gleichgewicht
4
Teilchenebene — Gleichgewicht stören
Reset · Start · Stop — die Reaktion läuft zum Gleichgewicht
Ringe zeigen Umwandlungen: türkis A → B (Hinreaktion), orange B → A (Rückreaktion).
{{ nA }}
{{ nB }}
Hintergründe zur Simulation
Warum läuft die Reaktion auch bei ΔrG° > 0? · zum Auf-/Zuklappen tippen
1 · Zwei verschiedene ΔrG

ΔrG° (Standardwert) = G(B) − G(A) ist der Höhenunterschied der reinen Stoffe — die beiden Endpunkte der G(ξ)-Kurve in Feld 3. Er legt über Kc = e−ΔrG°/(R·T) nur fest, wo der Gleichgewichtszustand liegt.

Das aktuelle ΔrG = ΔrG° + R·T·ln Q ist die Steigung der G(ξ)-Kurve an der Stelle, an der sich das System gerade befindet. Es entscheidet, in welche Richtung die Reaktion im Moment freiwillig läuft:

  • Kurve fällt (ΔrG < 0) → Hinreaktion A → B läuft freiwillig
  • Tiefpunkt (ΔrG = 0) → Gleichgewichtszustand, kein Netto-Umsatz
  • Kurve steigt (ΔrG > 0) → Rückreaktion B → A läuft freiwillig
2 · Warum aus reinem A immer etwas B entsteht

Startest du mit reinem A (Feld 4, Reset), ist Q = N(B)/N(A) ≈ 0 und damit R·T·ln Q stark negativ. Das aktuelle ΔrG ist also stark negativ — auch wenn ΔrG° > 0 ist. Die G(ξ)-Kurve fällt am linken Rand immer, die Hinreaktion läuft los.

Ursache ist die Durchmischungsentropie: Ein Gemisch aus A und B ist entropiereicher als reines A, das senkt G zunächst. Deshalb liegt der Gleichgewichtszustand bei ΔrG° = 0 genau bei 50 : 50 — nicht bei „kein Umsatz".

3 · Wie viel B sich bildet (T = 298 K, R·T ≈ 2,48 kJ/mol)
Δr Kc Anteil B im Gleichgewicht
−2 kJ/mol2,24~69 %
01,0050 %
+2 kJ/mol0,45~31 %
+4 kJ/mol0,20~17 %
+6 kJ/mol0,09~8 %
+10 kJ/mol0,018~1,8 %

Der Übergang ist stetig — es gibt keinen Schwellenwert. Je positiver ΔrG°, desto weniger B, aber der Anteil wird nie exakt null. (R·T ≈ 2,48 kJ/mol ist der Maßstab: Energiedifferenzen in dieser Größenordnung liefern Kc nahe 1.)

4 · Freiwilligkeit ist nicht Geschwindigkeit

Ob und wie weit sich A umsetzt, ist Thermodynamik (ΔrG°, Kc). Wie schnell sich der Gleichgewichtszustand einstellt, ist Kinetik — geregelt über die freie Aktivierungsenergie ΔG (Regler in Feld 1). Dass die Simulation zügig läuft, sagt also nichts über die Freiwilligkeit aus; mit einem größeren ΔG läuft dieselbe Einstellung langsamer ab.

Häufige Fehlvorstellung: „ΔrG° > 0 ⇒ es passiert nichts." Richtig ist: Der Gleichgewichtszustand liegt dann auf der Eduktseite (Kc < 1) — ein Teil setzt sich aber trotzdem um. Die Simulation macht das sichtbar.